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Von der Kunst des Loslassens PDF Drucken

bouldern_robert.gif Oder vom Tao des Kletterns

Wie fängt man einen Affen?
Man nimmt eine Banane und legt sie so, dass der Affe es beobachten kann, in ein schweres Tongefäß, dessen Hals so eng ist, dass der Affe gerade noch mit einerHand hineinfassen kann. Der Affe nimmt sich die Frucht, kommt aber mit der zurFaust geschlossenen Hand nicht mehr durch den engen Hals des Gefäßes . Nun spaziert man gemütlich zum Affen und kann ihn leicht fangen.Der Affe müsste zwar nur die Banane loslassen und könnte so leicht entkommen, tut
dies aber in dieser Stresssituation nicht.

"Okay, was bitte hat diese Geschichte mit dem Klettern zu tun"?
Nun, in manchen Stresssituationen reagieren wir wohl ziemlich affig:
Du kletterst eine Route. Die ersten Meter gehen gut. Lockerer gestreckter Arm,
Eindrehen (Gewichtsverlagerung) – alles perfekt. Mit zunehmender Höhe und
Abstand zum nächsten Haken wird das Eindrehen immer seltener. Auch der Arm ist
schwer locker zu lassen – angewinkelt gibt es dir das Gefühl von mehr Sicherheit
(obwohl es mehr Kraft kostet).
Beim Einhängen der nächsten Schlinge klammerst du dich verkrampft mit einer Hand
an einen kleinen Griff und zitterst mit der Expressschlinge in der anderen Hand total
überstreckt dem Haken entgegen. Kaum ist das Seil im Karabiner eingehängt,
entspannst du dich und greifst locker weiter zu einem großen Griff, von dem aus du
ganz leicht hättest klinken können.
Die nächste schwere Stelle kommt. Zwei Griffe vorm nächsten Haken werden die
Züge unsicher, du glaubst du schaffst es nicht mehr. „Ich hab keine Kraft mehr" rufst
du und kletterst die letzten 5 schweren Züge zurück zur letzten Schlinge (Ist zwar
schwerer aber bekannt).
So, oder so ähnlich ist es wohl jedem Kletterer schon mal ergangen. Ziemlich affig
oder?
Warum ist es so schwer locker zu lassen obwohl man weiß, das es mehr Kraft kostet,
man viel schneller müde wird und eher "einen Abgang macht" wenn man zu
angespannt ist?

Nicht Zielen, dann triffst du!
„Der Kopf ist der wichtigste Muskel beim Klettern!"(Wolfgang Güllich)
Zu viel Denken blockiert. Kaum jemand scheitert in einer Route weil er den nächsten
Zug nicht mehr schafft, sondern weil er glaubt es nicht zu schaffen und daher aufgibt.
Ein Erlebnis dazu: Der 3. Versuch einer 7b+ in San Siro (Arco). Ich bekomme den
kleinen Griff in der Schlüsselstelle schlechter als die Versuche zuvor in denen ich
scheiterte. Ich will gerade aufgeben, als mein Sicherungspartner ruft: "Geht schon du
schaffst es!" Plötzlich bin ich über der Schlüsselstelle ohne viel Kraft gebraucht zu
haben.
Angst ist ebenso eine Folge von zuviel Denken. „Wo ist der nächste Haken? Wie weit
bin ich über der letzten Sicherung? Was ist wenn ich falle, tue ich mir dabei weh?"
Ständig kreisen diese Gedanken in unserem Kopf und führen dazu, dass wir uns
verkrampfen und uns nicht auf die nächste Bewegung konzentrieren können.
Auch beim Wettkampfklettern blockiert uns das Grübeln: „Hoffentlich mache ich
keinen Fehler! "Boah"!, sind die anderen stark! Die Route liegt mir überhaupt
nicht!,..."
Beim Zen Bogenschießen wird als erstes die Absichtslosigkeit geübt. Man versucht
die Gedanken auszuschalten und sich nur auf die Bewegung zu konzentrieren. Wer
zu viel denkt und will trifft nicht. Wenn man es zulässt machen Körper und Bogen von
selbst genau das richtige.
Auch im Taiji chuan, Qi Gong, Baguazhang und Yoga geht man davon aus, dass die
richtigen Bewegungsmuster in uns gespeichert sind. Alle Übungen zielen darauf ab
die Gedanken abzuschalten und sich voll und entspannt auf das Jetzt, die Bewegung
zu konzentrieren.
Gute Kletterer praktizieren dies. Klem Loskot auf die Frage wie er sich auf eine
schwere Route vorbereitet. "Ich versuche einfach gut zu klettern, mein Bestes zu
geben."

"Die Bewegung wurzelt in den Füßen und endet im Gleichgewicht"
Ein Hauptgrund warum es uns oft so schwer fällt loszulassen ist, weil wir nicht im
Gleichgewicht sind, nicht stabil stehen. Fehlt es an Selbstvertrauen an Sicherheit,
versuchen wir alles krampfhaft „in Griff zu bekommen". Kleine abgeschmierte Tritte
verleiten uns oft dazu mehr mit den Armen zu ziehen. Dadurch verringert sich der
Druck auf den Tritt und der Schuh rutscht noch mehr. Das wiederum macht uns noch
unsicherer und wir ziehen noch mehr mit den Armen. „Die Bewegung wurzelt in den
Füßen, geht von den Beinen aus und bewegt wird das Becken. Die Arme dienen nur
der Choreografie." Ein Grundsatz aus dem Taiji Chuan, der auch fürs Klettern
absolute Gültigkeit hat. Nur wer unten stabil ist kann oben locker sein – und wer oben
locker ist kann im Gleichgewicht sein.
Ein Erlebnis dazu: Beim Blindklettern versuchte ich mit angespannter Ferse auf
einem kleinen Tritt aufzustehen. Ich verlor das Gleichgewicht und rutschte mit dem
Fuß ab. Da ich den Versuch als erfolglos betrachtete entspannte ich mich. Siehe da,
durch das Senken der Ferse vergrößerte sich die Kontaktfläche zum geneigten Fels
und ich stand plötzlich stabil und locker am Fels.

Yin Yang
bagua2_warm_web.gif Hauptgrund für die meisten Wehwehchen und Krankheiten in unserer Gesellschaft ist
Unausgewogenheit. Entweder zu viel oder zu wenig.
Ständiges Training, einseitige und zu hohe Belastungen schädigen Körper und Geist
genau so wie Bewegungsmangel. Mentale und körperliche Belastung und
Entspannung im gleichen Maße halten uns langfristig fit und gesund.  – Das einfache
Jahrtausende bekannte und doch so wenig beachtete Prinzip von Yin & Yang. Drei
Punkte beinhaltet dieses Prinzip:
1) Es gibt zu allem ein Gegenteil und diese Gegensätze sollen immer ausgeglichen
sein. Z.B. Anspannung und Entspannung im gleichen Maß.
2) Yin und Yang begrenzen sich gegenseitig. Permanente Anspannung führt zu
Ermüdung und Entspannung, ohne Anspannung ist Bewegung aber nicht möglich.
3) Yin und Yang sind im anderen jeweils zu einem gewissen Teil enthalten. Auch bei
sehr kraftvollen Bewegungen sind Muskeln und Muskelfasern entspannt, auch in
Ruhepositionen sind Muskeln angespannt sonst würden wir zusammensacken.
Klettern ist eine Sportart bei der dieses Prinzip sehr deutlich zum Vorschein kommt.
Kraft ist genauso wichtig wie Entspannung. Stabilität ist genauso wichtig wie
Beweglichkeit. Aggressivität und Kampfgeist sind genauso wichtig wie Vorsicht und
Ruhe.

Klettern und Charakter
 Gerade beim Klettern wird für mich das Ineinanderfließen von körperlicher Bewegung hh5b.gif
und Lebensphilosophie besonders deutlich. Die folgenden Gedanken haben meiner
Meinung nach beim Klettern und im "richtigen Leben" den gleichen Stellenwert:
1) Um weiterzukommen musst du oft das Sichere verlassen, dich auf etwas
unsicheres einlassen. Halte dich nur so fest (und so lange) wie notwendig.
Lass bewusst los (Sturztraining) und begib dich manchmal vollkommen in die
Hände deines (Sicherungs-) Partners, das verlangt und fördert absolutes
Vertrauen.
2) Durch den Wechsel von Anspannung und Entspannung entsteht ein
wunderbarer Ausgleich. Das vegetative Nervensystem erfährt durch die
oftmals hohe psychische und physische Anforderung nachfolgend eine tiefe
Entspannung und Ausgeglichenheit ("geh mal wieder klettern, du bist so
unrund!").
3) Oft denken wir nur an vergangenes (der letzte Haken) oder an die Zukunft
(nächster Haken) und achten nicht auf das Jetzt (aktueller Zug). Tritt heraus
aus dem Alltag in das Abenteuer, konzentriere dich auf das Hier und Jetzt und
erlebe dich mit allen Sinnen. - Du spürst dich, die Partnerschaft, Motivation
und Spaß und eine enorme Energie

Klettern führt uns die Möglichkeit und die Notwendigkeit vor Augen, alte (Bewegungs-
) Muster aufzubrechen und neue Varianten auszuprobieren. Man wird
herausgefordert, Entscheidungen zu treffen und erhält sofort Rückmeldung über die
Effizienz dieser Entscheidung.
Man begegnet der unmittelbaren Erfahrung und Erkenntnis, wie uns Angst und
Verspannung am Weiterweg hindern und wie sich durch einen freien Geist und
Gelassenheit spielerisch und lustvoll Probleme in interessante Aufgaben verwandeln,
deren Lösung ein befreiendes und glückliches Gefühl erzeugt.
Kaum eine Sportart führt den Zusammenhang von Bewegung und
Charaktereigenschaften so klar vor Augen wie das Klettern.

Autoren:
Mag. Hannes Hausherr, Sportklettertrainer, Dao-Lebenstrainer mit
Ausbildungen in Qi Gong, Baguazhang, Yoga, Taiji chuan.
Werner Häferle, Physiotherapeut

Information und Kurse zu dem Thema:

Ausschreibung 

Internet: www.e-5.at
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